Fusionenergie/Atomenergie

Dieses Thema im Forum "Politik, Gesellschaft & Wirtschaft" wurde erstellt von L-L-3, 22.07.13.

  1. L-L-3

    L-L-3 Gast

    Übersetzung

    Orginal
     
  2. L-L-3

    L-L-3 Gast

    Stand 22.07.13 um 17.46 Uhr^

    Ich möchte hier über das Projekt ITER reden. Es ist der erste Thermisch europäische Reaktor der Welt.

    ITER

    Dieser Gigant soll nur als Test laufen um zu schauen ob man Fusionsenergie wirtschaftlich nutzbar ist.

    Nun ist die Frage ob es in Europa Fusionsenergie genutzt werden kann, weil es sich um Atomenergie handelt. Und die Atomenergie abgeschafft wird. Wird man darauf zurück greifen oder ist diese Energie keine Gefahr?
     
  3. simpsons3

    simpsons3 Gast

    [Wenn ich von AKWs rede, meine ich hier: Kernspaltungskraftwerke.]

    Für mich ist die Nutzung einer Energiequelle an drei Faktoren gebunden:
    - Umweltschutz
    - Effizienz
    - Sicherheit

    Beim Sicherheitsaspekt geht es mir darum, wie sicher ein Kraftwerk im laufenden Betrieb ist (bei der Atomkraft vor allem in Bezug auf Strahlung) und wie verheerend Notfälle sein können, selbstverständlich muss man auch die Gefahr des Eintretens eines solchen Notfalls einplanen. Fukushima hat uns gezeigt, dass Notfälle bei "konventionellen" AKWs schnell zur Katastrophe werden können. Im laufenden Betrieb ist ein AKW, das technisch auf dem neuesten Stand ist und über guten Strahlenschutz verfügt, sehr sicher, sicherer als z. B. Kohleenergie. Problematisch wird hier nur der Störfall.

    Effizient ist ein AKW im Allgemeinen schon - ich rede jetzt hier nicht von der wirtschaftlichen Effizienz, die sich später in den Bilanzen der Stromkonzerne zeigt, sondern vom Energiegewinnungsgrad. Ein AKW ist vor allem dadurch sehr effizient, dass es durchgehend laufen kann, von einigen wenigen Wartungszeiten mal abgesehen. Ein Windrad macht nichts, wenn kein Wind geht, eine Solarzelle ist nur eine teure Dachdekoration, wenn es dunkel ist. Den selben Vorteil wie AKWs haben aber auch Kohlekraftwerke.

    Im Umweltschutz wird es interessant. Hier rede ich nicht nur über den reinen CO2-Ausstoß (der bei AKWs übrigens höher ist, als von der Lobby oft angegeben), sondern (im Bereich der Atomkraft) vor allem auch über den Aspekt der Abfallentsorgung. Ehrlich: Ich denke nicht, dass Atommüllendlagerung überhaupt möglich ist. Klar, dieses Endlager wird irgendwo verzeichnet werden, es wird Mitwisser geben. Bloß zeigt die Geschichte eines ganz sicher: Irgendwann gibt es immer einen Krieg, eine Umweltkatastrophe, eine Unruhe oder eine politische Bewegung, die dafür sorgt, dass genau dieses Wissen vernichtet wird. In 5.000 Jahren wird niemand mehr wissen, wo dieses Endlager liegt, obwohl der Müll noch mindestens 65.000 Jahre lang weiter strahlt. Das ist für mich das Hauptargument gegen konventionelle Atomkraft.

    Die Kernfusion ist da ein ganz interessantes Thema. Effizient ist Kernfusion wahrscheinlich schon. Richtig eingesetzt ist die Technik auch ziemlich umweltfreundlich. Ich kenne mich jetzt nicht so direkt damit aus - weiß also nicht, wie es mit dem Entsorgungsaspekt aussieht.
     
  4. Ereb0s

    Ereb0s

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    Ein weiterer klarer Vorteil von Fusionskraftwerken gegenüber konventionellen AKW´s ist der, das z.B. der Grundstoff Deuterium geradezu grenzenlos im Meerwasser vorhanden ist - und nicht auf eine Umweltvernichtenden Art und Weise in Afrika gefördert werden muss...
     
  5. Crime

    Crime

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    Wer außer uns Deutschen schafft bitte die Atomenergie ab? Niemand nicht ein einziges Land (welches aktuell bereits Atomenergie nutzt). Ganz im Gegenteil bauen andere Länder ihre Atomenergie doch weiter aus. Selbst Japan.
     
  6. Ja, die Hysterie hat nur hier ihren Widerhall gefunden. Dennoch denke ich, dass die Kernfusion eher ein Zukunftsweg ist, die Kernspaltung eher im nichtmilitärischen Bereich ein Auslaufmodell aufgrund der Endlagerungsproblematik. Leider sind wir noch ein paar Dekaden davon entfernt, diese Technologie auch nur einigermaßen zu beherrschen und selbst wenn ITER irgendwann zu brauchbaren Ergebnissen kommt, wird es noch dauern, dies in konventionelle Kernfusionsreaktoren fließen lassen zu können. Die Unkenntnisse über diese Technologie in der Gesellschaft und die Vermischung von Kernspaltung und Kernfusion werden auch noch einige Hindernisse in den Weg bringen...so wird hier vom Element Deuterium gesprochen, welches kein Element ist (Isotope sind keine Elemente) und von Entsorgungsproblemen gesprochen (bei der Kernfusion entsteht Helium - solange wir also keine Sorgen wegen zu viel lachender Menschen haben, haben wir auch kein Entsorgungsproblem), die eben gar nicht bestehen. Das größte Problem ist die Bindung des Plasmas durch Magnetfelder - und das wird uns noch eine Weile beschäftigen, auch wenn die Russen mit dem Tokamak den technologischen Weg aufgezeigt haben.

    Kernfusion ist die natürlichste Art der Energie und wir wären als Menschheit eher doof, würden wir die Kraft der Sonne nicht simulieren.
     
  7. Crime

    Crime

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    Hysterie ist genau das richtige Wort. Hirnlose Panikmache und jetzt fahren sie mit ihren 18-25 Jahre alten, schwarze Rauchwolken ausstoßenden Jeeps mit 210 über die Autobahnen und sind noch stolz drauf ein "Gegen Atomenergie"-Aufkleber drauf kleben zu haben.

    Na wenn sich die Kernfusion so darstellt wie du das schreibst, dann hoffen wir, dass wir da schnellstens ein paar brauchbare Durchbrüche erleben werden.
     
  8. L-L-3

    L-L-3 Gast

    Es hieße, dass ITER 2020 oder 2030 anlaufen soll. Ich weiß nun nicht genau wann ITER beginnen soll. Es hängt damit zusammen wie schnell sie das Projekt aufbauen können.
     
  9. simpsons3

    simpsons3 Gast

    1. Auch Helium kann man nicht unendlich in die Atmosphäre ausstoßen, aber ich denke, da wird sich in den nächsten Jahrtausenden keine relevante Menge ansammeln. ;)
    2. Wie gesagt: Ich hab mich nicht so genau darüber informiert. Ich hatte zwar im Hinterkopf, dass da "nix böses" rauskommt, war mir aber nich sicher.
     
  10. Crime

    Crime

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    Ohje, denkt jetzt nicht ich bin FÜR eine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung auf 120 km/h. :O
     
  11. Behrenard

    Behrenard

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    Alle Probleme der "konventionellen Kernkraft" wie die völlig überflüssige Endlagerung von Brennstäben, die nur deshalb so stark strahlen, weil sie noch 97% der nutzbaren Energie enthalten, Regelstäbe die sich verkanten können wie in Chernobyl, Wasser, das verkochen kann wie in 3-Mile-Island und Fukushima, Brennstäbe die schmelzen können, sind reine Probleme von Leichtwasserreaktoren, die für U-Boote entwickelt wurden.

    Es gibt schon seit Jahrzehnten bessere Konzepte, sei es der THTR in Jülich, oder in den 60ern der Molten Salt Reactor, oder als ganz aktuelles Konzept auf dem allerneusten Stand der Technik der Dual Fluid Reaktor. Die sind alle inhärent sicher, kommen ohne Wasser im Reaktorkern aus, und nutzen "Atommüll" zur Energierzeugung - das was in den Castoren lagert, reicht um unseren Strombedarf 200 Jahre lang zu decken, und bis dahin funktioniert auch die Fusion
     
  12. Arcosen

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    Der wesentliche Nachteil, den ich bei dieser Art der Energieerzeugung sehe, ist das Deuterium.
    Auch, wenn er nahezu unbegrenzt im Wasser vorhanden ist - Deuterium ist "schweres Wasser" (Wissen hier denke ich alle, die mit diskutieren).
    Der Zyklus der Meeresströmungen, welche einen großen Einfluss auf das Klima haben, ist maßgeblich abhängig von dem Gewicht des Wassers - welches wir durch die Entnahme von Deuterium deutlich verringern würden. Zurück blieben konventionelles Wasser und Tritium.
    Welches Folge dies für das Klima hätte, ist nicht abzusehen.
    Es ist eine bessere Alternative als Kernkraft - aber die Gefahr ist die Endlichkeit der Ressource. Die Menschen neigen zu Übertreibungen, und wenn die Fusionsenergie jetzt als "super tolles, alle Probleme lösendes" Mittel angepriesen wird, dann baut jedes Land seine eigenen 20 Reaktoren und beginnt mit der Förderung von Deuterium.
    Und am Ende, wenn sich herausstellt, das der Fusionsreaktor vielleicht doch nicht das Gelbe vom Ei war, haben wir ein schwankendes Klima und jede Menge Reaktoren, die leer stehen und keinen Verwendungszweck mehr haben.
    Die Langzeitwirkungen sind noch nicht ausreichend erforscht, als das man jetzt schon Lobeshymnen singen könnte.
    Es mag eine gute Sache sein, aber man sollte sich nocht nicht darauf einschiessen, sondern, bis es soweit ist, die Alternativen im Auge behalten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 29.07.13
  13. Ereb0s

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    Da bleibt aber auch die Frage, was Allternativen sind.

    Ich sehe die Zukunft weniger in dem entwickeln von neuen Möglichkeiten der Energiegewinnung, als mehr in dem Reduzieren der Verbrauches. Die Technik schreitet immer weiter voran und mal sehen, vielleicht brauchen wir in hundert Jahren nur noch ein Kohlekraftwerk für ganz Deutschland ...
     
  14. Arcosen

    Arcosen

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    Die Effizienz der uns bereits zugänglichen Arten der Energieerzeugung ist sicher ebenfalls eine sehr wichtige Sache.
    Allerdings sollte man sich vorher darüber einig werden, was man optimiert.

    Wenn es uns gelingt, gleichzeitig Effizienz zu steigern und Verbrauch zu senken, dann ist das eine gute Grundlage.
    Solarenergie beispielsweise wäre effizient genutzt die Lösung aller Probleme - die Sonne sendet zur Erde eine Energiemenge, die wir selbst dann nicht ansatzweise verbrauchen könnten, wenn unser Planet wie Coruscant aussehen würde.

    Das scheitert momentan nur daran, dass wir diese Energie nicht effizient umsetzten/speichern können.
    Aber ich halte diese Forschung für potentiell Zielführender als Milliarden an Euros in Projekte zu stecken, von denen man sich noch nicht einmal sicher ist, ob sie Gewinn bringen.
     
  15. Ereb0s

    Ereb0s

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    Ich wollte weniger auf den Gewinn von Energie eingehen, wobei man dort die Effizienz ohne Frage drastisch steigern kann, als mehr auf den verbrauch dieser Energie. Wenn ich mir so angucke, was heut zu tage ein handelsüblicher Kühlschrank mit einer Effizienz von "A+++" für ein Stromverbrauch hat, und das mit den Kühlschränken von vor 20 Jahren vergleiche, dann erkenne ich einen großen Vorschritt.
    Gleiches gilt für die Waschmaschine und den Fernseher.
    Ebenso verbraucht die Groß-Industrie immer weniger Strom, zumindest im vergleich zur Leistung.
    Die Frage ist nur, wann das Ende erreicht ist, wann man das absolute Minimum erreicht hat und man einfach kein Strom mehr einsparen kann.

    Das ist deine eigene Ansicht - andere finden es sinnvoller die Sonne gleich auf der Erde zu simulieren, wieder andere setzen auf die Windkraft "Nachts produzieren Photovoltaikanlagen keinen Strom" ...
    Dazu muss man auch bedenken, dass wir (ich) in Deutschland leben - So viel Sonne bekommen wir (ich) nicht, vielleicht ist die Windkraft für Deutschland viel sinnvoller, hingegen lohnt sich in Spanien eher die Photovoltaik.
    Von daher sehe ich es als durchaus Sinnvoll an, wenn man in alle Richtungen forscht - Wenn man "alles auf eine Karte" setzt und verliert, was wird dann aus der Menschheit?
    Wir hätten vermutlich endlicht keine „Lichtverschmutzung“ mehr …
     
  16. Arcosen

    Arcosen

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    Selbstverständlich ist auch eine Reduzierung des Verbrauchs bei gleichbleibender Leistung eine super Sache.
    Wenn man allerdings bedenkt, dass man beispielsweise bei Automotoren bis zu 95% der gewonnenen Energie verschenkt, sehe ich auch dort deutliches Steigerungspotential.

    Die Solarenergie war lediglich mein Beispiel, ich bin auch ein Freund von Wind- und Wasserkraft.
    Allerdings lässt sich auch Windkraft mit einem Argument der selben Art wie du es gegen die Photovoltaikanlagen hast, außer Kraft setzen: "Wo bleiben wir, wenn mal für eine Woche kein Wind weht?"

    Sich viele Möglichkeiten offen zu halten ist immer gut, allerdings sollte man auch nicht zu viel Geld in Projekte stecken, die vielleicht funktionieren, in der Leistung aber hinter anderen trotzdem weit zurückstehen.
     
  17. Crime

    Crime

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    Wasserkraft aus Stauseen sind ja auch kein massiver Eingriff in die regionale Natur.

    Und Photovoltaik, in wieviel Mrd. Jahren wird die Sonne verglühen? Und dann?
     
  18. Arcosen

    Arcosen

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    Wie man's nimmt.
    Dabei stellt sich eher die Frage: "War der Stausee schon da, oder wurde er von Menschen geschaffen?"

    'Tschuldige, wenn ich jetzt pessimistisch wirke, aber bis die Sonne verglüht, existiert die Menschheit doch ohnehin nicht mehr.
    Da brauchen wir uns keine Gedanken drüber machen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 29.07.13
  19. Ereb0s

    Ereb0s

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    Nun, Crime hat schon recht- man muss nur Richtung Südamerika schauen, dort sind wohl die aktuellsten Auseinandersetzungen in Sachen Wasserkraft uns Stausehen.
    In Deutschland ist diese Methode der Energiegewinnung allerdings weitestgehend ausgeschöpft.

    Das die Sonne die Menschen überdauern wird, darüber muss man sich keine Gedanken machen.
     
  20. Behrenard

    Behrenard

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    "In the long run, we're all dead", Zitat John Maynard Keynes

    Sorry, aber ich bin lieber Optimist. Bisher hat die kulturelle Vielfalt des Homo Sapiens immer noch dazu geführt, daß irgendwo irgendwer immer wieder neue Lösungen sowohl für alte wie für neue Probleme gefunden hat. Sippen, Clans, ganze Völker können aussterben, aber die Menschheit entwickelt sich weiter. Wenn die EU-Kommission Innovationen in Europa verhindert, dann werden die Thoriumreaktoren, die Fusionsreaktoren und die interstellaren Raumschiffe halt von den Indern und Chinesen gebaut. Oder - wer weiß - vielleicht sogar von den Amis. (Von den Arabern eher nicht, die letzten Innovationen aus de Wüste waren Algebra und Koran, und beides ist ca. 1400 Jahre her...)
     

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