Köhler tritt zurück - Nachvollziehbar?

Dieses Thema im Forum "Politik, Gesellschaft & Wirtschaft" wurde erstellt von Kuldigar, 31.05.10.

  1. Kuldigar

    Kuldigar Gast

    Horst Köhler ist heute vom Amt des Bundespräsidenten der BRD zurückgetreten. Als Grund gab er an, dass die Diskussion, die um seine Äußerungen hinsichtlich Auslandeinsätzen der Bundeswehr geführt wurde, nicht der Würde seines Amtes entsprochen haben.

    Ich wüßte gerne, wie ihr darüber denkt.

    Hier als Quelle die Rücktrittserklärung:
    http://www.dradio.de/aktuell/1193326/

    Hier das strittige Interview:
    http://www.dradio.de/aktuell/1191138/

    Die Passage um die es geht (Quelle: www.dradio.de):

     
  2. Nun ja. In der EU ist es eindeutig verboten, einen Krieg wegen wirtschaftlichen Interessen zu führen. Er gab wirtschaftliche Interessen als Grund an. Wenn ich ehrlich bin, konnte ich mir sowas eigentlich schon denken.

    Dieses ganze Zeug mit den Terroristen, hat seinen Ursprung doch letztendlich in den USA. Irgendeiner von denen hat mal gesagt "Einer der Gründe, warum wir Krieg führen, ist, um unser Gesicht nicht zu verlieren". Das war kurz nach dem Vietnamkrieg. Grundsätzlich geht es dem geldgeilen Kapitalistenpack doch nur um die Ressourcen. Öl wird immer wichtiger in der Weltwirtschaft und wer das Öl hat, hat die Kontrolle. Man versucht, Länder ausbluten zu lassen, um sie von sich abhängig zu machen. Warum regt man sich über die Möglichkeit(!) eine atomare Waffe bauen zu können auf, wenn man selbst tausende Atomsprengköpfe besitzt? Warum liefert man den Ländern nicht einfach das angereicherte Uran, welches sie für ihre Forschungen und für die Medizin benötigen? Der iranische Präsident hat gesagt "Wenn ihr uns kein Uran gebt, produzieren wir eben selbst welches" und das ist geschehen, obwohl es gesetzlich festgelegt ist, dass man Uran aus oben genannten Gründen an ein solches Land abgeben muss, wenn man es hat. Meiner Meinung nach, passiert im Iran in ein paar Jahren genau das, was derzeitig in Afghanistan geschieht und was im Irak geschieht.

    Der Rücktritt ist meiner Ansicht nach Absolut gerechtfertigt. Wer mit Menschenleben spielt, nur des Geldes wegen, hat ein solches Amt nicht verdient und ich denke, das hat Köhler verstanden.
     
  3. Der hat grundgesetzwidrig sich als Kontrollinstanz für Gesetze stilisiert.

    Weg mit dem !
     
  4. Sanjara

    Sanjara Gast

    Mach mal bitte was konkret und erläutere deine Meinung mit Beispielen bzw. erkläre bisschen fundierter warum du der Ansicht bist, dass er weg muss
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 31.05.10
  5. Kuldigar

    Kuldigar Gast

    Streiche widrig, schreibe gemäß und es stimmt ;)



    @Bloodhunter:

    Wo genau steht das?

    Dem Grundgesetz zufolge ist ein Angriffskrieg verboten. Dafür hat er sich nicht ausgesprochen.

    Das Einzige, was man Köhler vorwerfen könnte wäre Ehrlichkeit. Natürlich führt die BRD wenn sie Kriege führen sollte dann zur Wahrung ihrer Interessen.

    Dir ist schon bewußt, dass er gerade wegen solcher Unterstellungen zurückgetreten ist und nicht weil er einen vermeintlichen Fehler eingesehen hat?
     
  6. Damit muss er doch rechnen. Wer ja zu einem Wirtschaftskrieg sagt, hat's nicht anders verdient. Ja, er hat die Wahrheit gesagt, das kann man ihm zugute halten. Das rechtfertigt den Krieg und die Opfer die gebracht wurden und gebracht werden aber nicht mal geringfügig.
     
  7. Kuldigar

    Kuldigar Gast

    Also, um dich richtig zu verstehen:

    Wir führen einen Krieg der verwerflich ist und wenn jemand die wahren Hintergründe benennt, dann muss er zurücktreten, allerdings nicht, wenn er diese verschweigt?
     
  8. Nein, war etwas dumm ausgedrückt. Dass er ehrlich war, find ich absolut ok und da ziehe ich auch meinen Hut vor ihm, keine Frage. Da er aber als Bundespräsident auch ein Wörtchen mitzureden hatte und ganz offensichtlich ja zum Afghanistankrieg gesagt hat, hat er meiner Meinung nach auch die Konsequenzen hierfür zu tragen. Es kann doch nicht angehen, dass wir uns nun schon genauso widerwärtig wie die USA verhalten.

    Ok, immer noch !§#$%&? formuliert(glaub ich). Dass er einem Krieg mit Afghanistan aus wirtschaftlichen Interessen zugestimmt hat, ist verwerflich, nicht, dass er es zugegeben hat. Dass er nun gehen muss, bzw selbst geht, ist eine Folge der Zustimmung, des Krieges und keine Folge der Wahrheitsbekundung. So, jetzt hab ich's. ^^
     
  9. Kuldigar

    Kuldigar Gast

    Ok...

    Bist du mit dem System der BRD vertraut? Wenn ja, solltest du wissen, dass er dahingehend KEIN "Wörtchen" mitzureden hatte. Der Bundespräsident trifft keine politischen Entscheidungen.

    Inwiefern? Das solltest du ausführen und erläutern.

    Nicht wirklich. Niemand hat seine Zustimmung zum Afghanistankrieg - sofern man seiner Äußerung oben eine solche entnimmt - kritisiert.

    Übrigens:
    Bist du für einen Ausstieg aus der NATO?
     
  10. Der deutsche Bundespräsident hat ein Wörtchen mitzureden???

    Dann hab ich wohl was verpaßt. Meines Wissens nach darf er bestenfalls unterschreiben, was im Parlament beschlossen wird und ist ansonsten eher so eine Art Gallionsfigur zum repräsentieren, mit dem REGIEREN hat der deutsche Bundespräsident wohl eher wenig zu tun.
    Gut, sicher kann er bei bestimmten Dingen einen gewissen Einfluß nehmen.
    Warum wohl hat sich es Adenauer anders überlegt und blieb lieber Kanzler, als Bundespräsident werden zu wollen? (...was interessiert mich mein dummes Geschwätz von gestern.....)
    VIEL interessanter für eine Diskussion finde ich ehrlich gesagt auch den Rücktritt (endlich) von Hessenpinoccio Roland Koch mit seiner kilometerlangen Lügennase. Diesen Kasper ENDLICH nicht mehr sehen und schreien hören zu müssen ist ne Jahrhundertparty wert.

    Ich gebe zu, Köhler fand ich nie wirklich interessant, aber ihm da jetzt eine VERANTWORTLICHKEIT in die Schuhe zu schieben finde ich ungerecht.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 31.05.10
  11. Auch ein Blood muss sich mal irren. :D
    Dann nehme ich diese Aussage zumindest zurück.

    Die USA führen Kriege, um an Ressourcen zu gelangen, um nicht von der "Bildfläche" zu verschwinden und um sich so den nötigen "Respekt" zu verschaffen, um dann anschließend mit Sanktionen anzukommen, die sie nur wieder für einen weiteren Krieg benutzen werden. Die USA finden immer irgendeinen Grund für einen Krieg. Wenn wir ihnen bei diesen Kriegen helfen, dies somit unterstützen oder selbst so anfangen, sind wir nicht ein Stück besser, als das !§#$%&?, kapitalistische Pack.

    Kann ich nicht beurteilen. Damit hab ich mich bisher eigentlich sogut wie gar nicht befasst. Ich weiss nicht mal, wer da überhaupt außer Deutschland, den USA, England, Holland und Frankreich Mitglied ist. ^^
    Falls uns die Mitgliedschaft in der NATO dazu zwingt, die Ausbeutung anderer Länder, durch die USA zu unterstützen, bin ich klar für einen Austritt. Ich weiss im Moment nicht, wie das mit Unterstützungen im Kriegsfall usw geregelt ist.
     
  12. Adler94

    Adler94 Entwickler

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    Um mich dann auch noch zu dem Thema zu melden:
    Vorab: Ich bin 16 und gebe meine Einschätzung der Lage ab. Sollten mir faktische Fehler unterlaufen, korrigiert und kritisiert mich bitte (in angemesser Weise) dafür ;)
    Ich finde es richtig, dass er gegangen ist. Ich finde es allerdings nicht richtig, dass er die Kritik an ihm als Grund dafür hinstellt.
    Meiner Meinung nach muss auch ein Bundespräsident Kritik vertragen können.
    Gut, es stimmt - die Opposition, gerade die Grünen, hat das ganze sehr zugespitzt und der Vergleich mit Herrn Lübke war nicht in Ordnung, der Mann war schwer krank!
    Aber das als Grund für einen Rüchtritt hinzustellen ist lächerlich...sollte das ernst gemeint sein, dann kann ich Herrn Köhler wegen seiner Kritikunfähigkeit und seiner "dünnen Haut" nur bedauern.
    Ich vermute vielmehr, dass der gute Mann gemerkt hat, dass seine 2. Kandidatur und der 2. Amtsantritt ein Fehler war. Die 2. Amtszeit war allgemein eine Schlechte. Er war zu still und hat nur noch wenige Akzente gesetzt. Außerdem bekam er von seiner Partei auch keinerlei Rückendeckung (wobei wir uns fragen müssen, ob unser Staatsoberhaupt jemanden braucht, der sich schützen vor oder hinter ihn stellt). Aber diese Äußerung, welche - da bin ich mir sicher - der Wahrheit entspricht, darf so nicht fallen! Damit unterstützt er meiner Meinung nach Einsätze der Bundeswehr, welche nicht vom GG abgedeckt sind. Falls er das nicht so gemeint hat, hätte eine Richtigstellung bzw. eine Erklärung aber keinesfalls ein Rücktritt folgen sollen.

    Was mich auch im Nachhinein stört:
    Die Union und die FDP kommen jetzt mit diesem "Respekt vor dem Amt" und dass man ihn deswegen nicht hätte (in dieser Art und Weise) kritisieren sollen.
    Wir sind ein demokratischer Staat mit gewählten Vertretern und diese sollte man alle kritisieren dürfen. Das darf meinetwegen auch "mal" überspitzt sein.
     
  13. Wir wären schon weit, wenn wir anstatt Köhler, endlich mal die links-grüne Systempresse kritisieren würden.

    Jetzt wollen die Kommis/SPD Gauck aufstellen - Gott bewahre !
     
  14. Suzanna

    Suzanna Gast

    Ich würde eher sagen, er hat das ausgesprochen, was ohnehin alle Wissen. In nahezu allen Kriegen geht es um Handelswege, Ressourcen, Lebensraum, Machtstellung, etc (Ausnahme mögen da die Glaubenskriege sein). "Wirtschaft" ist da die einzige Konstante und die beginnt in der Regel in der Innenpolitik. Beim Ami ist es die Waffen-Lobby, die deren Kriege fininazieren und bei uns ist es unter anderem der Binnen-Markt, in den wir durch Wiederaufbau-Hilfe investieren. Warum? Wir Leben vom Im- und Export.
    Es gibt nur zu viele in der Politik, die eben nicht die Traute haben, einen solchen Standpunkt auch mal zu äußern oder sich hinter Leute zu stellen, die das tun.
    Die Reaktionen der eigenen Parteimitglieder waren da recht eindeutig. Entweder haben sie sich angewendet oder ausgesprochenes verurteilt.

    Der Rücktritt war daher die einzig logische, richtige .. und wenn es mal ganz genau nimmt, eine Entscheidung mit Rückrat.
     
  15. Frisch aus dem Urlaub zurück...

    Nun, ich habe mir extra von Freunden den Spiegel-Artikel besorgen lassen, mit dem, nach ihren Aussagen, die Misere für unseren Noch-Bundespräsidenten anfing. Erst durch diesen Artikel sei man erst auf das Interview aufmerksam geworden.
    Nun, was lesen wir im Spiegel. Einen Artikel der unter aller Sau ist, sehr grob bis phantasiereich interpretiert, zusammenhangslos zitiert, übertreibt und sich auf viele Aussagen beruft, deren Quellen er nicht benennt. Er wurde, in meinen Augen, mit der Absicht geschrieben eine Person zu diskreditieren und zu verleumden, somit alles andere als objektiv. Dank Pressefreiheit kann man sie leider schwer wegen Rufmords belangen. Doch Pressefreiheit gleich dichterische Freiheit?

    Unter aller Sau: Allein schon die Überschrift, ist für eine objektive Berichterstattung unmöglich und lautet HORST LÜBKE. Für alle Unwissenden: dieser Mann war, wie erwähnt, Alterssenil und tat den berühmten Ausspruch bei einer Rede im Ausland: ,,Meine Damen und Herren, liebe Neger". Wie auch in besagtem Artikel nachzulesen ist.

    Sehr grob bis phantasiereich interpretiert und zusammenhangslos interpretiert: In den mir gegeben Zitaten ist nirgendswo die Rede von Afgahnistan. Der Bezug auf Afgahnistan ist von der Presse erfunden und klingt für den Leser plausibel, da der Leser gedanklich noch bei Afgahnistan, der war bereits auf der Rückreise. Der Eindruck entsteht nur beim Leser durch die Erwähnung zweier verschiedener Tatsachen in ein und demselben Zeitungsartikel.
    Es steht ausdrücklich drin: ,,Als Beispiel nannte er [Horst Köhler] ,,freie Handelswege""
    Was für Handelswege gibt es bitte schön in Afgahnistan? Eine Erklärung des Präsidialamts erklärt die Aussagen bezögen sich auf Anti-Piraterie-Einsätze der Bundeswehr. Ja, vor Somalia gibt es schiffahrtwege, sogar sehr wichtige (rotes Meer).

    Übertreiben: sie implizieren, dass Afgahnistan ein Wirtschaftskrieg ist. Wenn das der Fall ist, so möchte ich wissen, was man mit all dem Opium machen will? beispielQuelle
    Afgahnistan ist wirtschaftlich unbedeutend.
    Auch wird behauptet, dass Horst Köhler fast sklavisch auf Medienarbeiter angewiesen sei. Nur die wenigsten Politiker sind es nicht, da letztendlich alles über die Medien läuft.

    Quellenproblematik: die Quellen sind Allgemeintopicen, so ist vom Autoritätsverlust in der politischen Klasse die Rede. Unspezifizierter geht es kaum. Falsch ist es auch nicht. Mindestens einen Politiker findet man mit dieser Ansicht...

    Das alles muss man dem Spiegel vorwerfen, da er diesen Artikel veröffentlicht hat. Ich denke, das wird mein letzter Spiegel gewesen sein, da diese Zeitung mehr als offensichtlich nicht einmal versucht objektiv zu sein, sondern Meinungsmachend sein will.

    Nun zum Rücktritt selbst. Ich habe Respekt vor der Entscheidung und heiße sie, für ihn, gut. Für das Land wäre er absolut noch tragbar.
    Er ist wirklich, ,,als Außenseiter" ins Haifischbecken Politik gestoßen worden. Aber eines muss betont werden: Nicht die Politiker sind in diesem Fall die Haie sondern polemisch berichtende Journalisten. Der Fehler Horst Köhlers lag darin, sich nicht sofort nach Verlust seines Pressechefs, einen neuen zu holen.

    Zur Nachfolge:
    Ich kann mich (unbedeutenderweise) nicht entscheiden wer mir, als Bundespresident lieber ist. Christian Wulff oder Gauk. Momentan tendiere ich eher zu Gauk. Er ist nch unsympatisch, aber sein Gewinn ist mehr als unwahrscheinlich, selbst, wenn einige Unionler und FDPler Sympathien für Gauk geäußert haben. Ohne die Stimmen der linken hat er denke ich keine Chance und (um ein wenig zu polemisieren ;) ) ich glaube nicht, dass die einen ehm. StaSibeauftragten wählen.
    Jedoch will ich nicht, dass Christian Wulff auf das politische Abstellgleis Presidialamt gestellt wird. Hier denke ich jetzt parteiintern. Nach dem Abgang von Roland Koch gibt es keine wirkliche Oppositionsstimme innerhalb der CDU. Da kommt nur Christian Wulff in Frage. Mir gefällt aber ehrlich gesagt immer weniger eine CDU unter Merkel, besonders wegen ihrer Außenpolitik und weil sie inhaltlich die CDU stark verändert hat. Da fehlt mir das C ein bischen...

    Aber in der Partei steht sie mit dem Presidenten Christian Wulff und dem nicht mehr politisch aktiven Roland Koch auf weiter Flur. Naja Mappus... der muss sich aber noch hier in BW festigen.
    Meine Hoffnung beruhen auf einer Rückkehr Roland Kochs, den ich sehr schätze ;) : Immerhin: Hessen ist alles andere als ein sicheres CDU-Land, traditionell eher rot und, dass er bis jetzt gewonnen hat zeigt, doch, dass seine Politik von einer Mehrheit der Hessen gewollt ist.
    Ach ja und eine darf ich nicht vergessen Ursula von der Leyen. Jeder von diesen hat mMn Kanzlerpotential: Roland Koch, Christian Wulff und Ursula von der Leyen.
    Das weiß Angela Merkel und betrachtet sie als Konkurrenten. Aus nicht disskutierbaren Gründen fällt Koch weg. Bleibt nur noch Wulff. Der kommt ins Presidialamt = weg.
    Tia... Ursula ist wohl treu ergeben...

    in diesem Sinne...
    tut mir leid für's klitze kleine Abweichen vom Thema


    @Suzanne
    Ich denke du tust recht den Konjunktiv zu benutzen. Nenne mir einen Glaubenskrieg, der sich nicht mit den von dir benannten Begriffen begründen liesse.

    @Manfräd,
    fals du das hier liest: Ich versuche deine PNs zeitig zu beantworten.


    Fazit:
    Scheißpresse im doppelten Sinne. Einmal für Köhler und dann bezogen auf die Methoden des Spiegels.


    mit freundlichsten Grüßen
    Vulpios Arminos
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 05.06.10

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