Ist die FDP noch zeitgemäß?

Dieses Thema im Forum "Politik, Gesellschaft & Wirtschaft" wurde erstellt von simpsons3, 05.04.11.

  1. simpsons3

    simpsons3 Gast

    Auf die Idee zu dem Topic bin ich gekommen, als ich gerade tagesschau.de gelesen habe:

    Pro
    Natürlich brauch man die FDP noch, denn sie fungiert als wichtigster Garant für die Einhaltung der Bürgerrechte in Deutschland, meint Prof. Hans-Jürgen Maurus.

    Contra
    Die FDP hat ihre Stammfelder, nämlich die Bürgerrechte, längst an andere Parteien abgegeben. Einen wirklich Sinn hat sie nicht mehr, der Meinung ist ARD-Korrespondent Claus Heinrich.

    Wird die FDP noch gebraucht, oder wird sie bald nicht mehr in den entscheidenden Parlamenten auftauchen? Kann Rösler die FDP retten? War das Versagen der FDP die Schuld von Westerwelle?

    Discuss!
     
  2. Behrenard

    Behrenard

    Beigetreten:
    26.06.10
    Beiträge:
    330
    Zustimmungen:
    0
    Deutschland braucht eine liberale Partei, die nicht sofort alle liberalen Prinzipien vergißt, wenn ein größerer Koalitionspartner ihrem Vorsitzenden den Außenministerposten anbietet. Ob die FDP diese Funktion ausfüllen kann, ist fraglich. Andererseits haben aber auch weder die "PIRATEN" noch die "Partei der Vernunft" die nötige personelle Basis, um die FDP zu "beerben".
     
  3. simpsons3

    simpsons3 Gast

    Partei der Vernunft? Bei dem Namen wählt die niemand ...

    Ich hoffe, dass die FDP aus einigen Parlamenten rausfliegt. 2013 ein Bundestag ohne FDP, das wäre schön. Die PIRATEN werden binnen zehn, fühnfzehn Jahren entweder untergehen oder die personelle Substanz erlangen. Die FDP als "Übergangspartei", bis die PIRATEN ihre Stelle einnehmen können, wäre nichts schlimmes. Finde zumindest ich. Nur die FDP muss ihre Steuerpolitik überdenken, sonst sehe ich schwarz.
     
  4. Nun nicht gerade die PIRATEN...
     
  5. simpsons3

    simpsons3 Gast

    Ich find sie gut, aber darum geht es hier nicht. Weiteres also gerne per PN.
     
  6. DaMatze87

    DaMatze87 Gast

    Nach dem Populismus ("Mehr Netto vom Brutto"; sofortiger Abzug aus Afghanistan) und der Lobbyarbeit (Bsp.: Steuersenkung für Hoteliers), die die FDP die letzten Jahre betrieben hat, hat sie sehr stark an Glaubwürdigkeit verloren. Ob sie es schaffen wird, diese zurück zu gewinnen, bleibt abzuwarten.
    Ein positives Zeichen ist, dass Westerwelle den Vorsitz abgetreten hat. In der Öffentlichkeit wurde die FDP immer mehr mit seiner Person in Verbindung gebracht, was mit ein Grund dafür sein dürfte, dass sie in der Wählergunst so stark eingebrochen ist.
    Mit Rösler haben sie nun eine Chance bekommen, ihr Profil komplett neu aufzubauen. Er ist mit seinen 38(?) Jahren vergleichsweise jung, was einen gewissen Bonus gerade bei den jüngeren Wählern bedeuten dürfte.
    Eine Partei, die die FDP beerben könnte, kenne ich nicht. Parteien wie die Piraten Partei kann ich mir in dem Zusammenhang jedenfalls nicht vorstellen.
     
  7. Für was steht denn Rösler? So programmatisch?
     
  8. simpsons3

    simpsons3 Gast

    Also mit "Mehr Netto vom Brutto" hat sie's auf jeden Fall tüchtig vergeigt, da hast du recht. Der Abzug aus Afghanistan hängt halt sehr stark an der Zustimmung der SPD. ISAF steht und fällt mit der SPD, da kann weder die FDP noch DIE LINKE. oder die Grünen was dafür.

    Fraglich bleibt mMn allerdings, ob Rösler was draus machen kann. Ganz extrem: Aus Schieße kann man kein Gold machen, die mittelalterliches Alchemisten können ein Lied davon singen.

    Wie gesagt, nicht hier. In einem neuen Thread gerne, auch per PN immer, aber es geht hier um die FDP. Ich konnte über Nuhrs Bemerkung zu den PIRATEN nur schmunzeln.
    EDIT: Im Positiven Sinne!
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 05.04.11
  9. DaMatze87

    DaMatze87 Gast

    Das stimmt wohl. :D
    Aber auf der anderen Seite: Man hat bekanntlich auch schon Pferde k*tzen sehen.^^
    Allerdings berücksichtigt man meine Aussage, dass die FDP stark mit der Person Westerwelle in Verbindung gebracht wurde, könnte es Röslers Chancen zumindest etwas erhöhen.
    Habe gerade bei Frontal 21 gesehen, dass Westerwelle den niedrigsten Zustimmungswert eines Vorsitzenden in der Parteigeschichte hat. Nämlich -1,9
     
  10. Behrenard

    Behrenard

    Beigetreten:
    26.06.10
    Beiträge:
    330
    Zustimmungen:
    0
    14% würde ich nicht "vergeigt" nennen. Gut, wäre Möllemann 2009 noch am Leben gewesen, wären vielleicht sogar 18 drin gewesen ;) aber "vergeigt" haben sie erst in den Koalitionsverhandlungen. Nach 11 Jahren Regierungsabstinenz hatten die Verhandlungsführer doch glatt vergessen, daß bei einem Koalitionsvertrag immer nur eine Seite wirklich von Bedeutung ist: die, wo draufsteht, wer welchen Posten bekommt. Alles andere ist Klopapier.

    Große Steuerreform? Ja, wenn der Finanzminister mal die Muße dazu findet. Und der heißt nunmal Schäuble und nicht Solms.

    Ein robustes, finanzierbares Gesundheitswesen nach dem Vorbild der PKVen? Doch nicht, solange Ex-Gesundheitsminister Seehofer die CSU anführt.

    Das BKA soll KiPo-Seiten den Hostern zum löschen melden, statt eine Sperr-Infrastruktur zu errichten? Das BKA untersteht aber dem Innenminister und nicht der Justizministerin. Frau Leutheusser-Schnarrenberger kann den BKA-Chef weder feuern noch strafversetzen.

    Hartz-4 durch ein unbürokratisches Bürgergeld ersetzen? Dazu braucht es nicht 14% sondern 41%. Oder eine grün-liberale Koalition, die aber bekanntlich an anderweitigen Differenzen scheitern würde.

    Fazit: die "Schwarze Witwe" hat in der letzten Legislatur ihren Koalitionspartner in Grund und Boden regiert, und mit dem jetzigen Koalitionspartner macht sie es genauso. Und wenn nach der SPD auch die FDP in der Bedeutunglosigkeit versunken ist, macht sie den Grünen ein Koalitionsangebot...:eek:
     
  11. simpsons3

    simpsons3 Gast

    Wenn du mit Schwarze Witwe die CDU meinst, dann erhälst du von mir hier 100 % Zustimmung. Man muss sich nur mal ansehen, wie die SPD 2009 an Stimmen verloren hat. Jetzt plötzlich - wo sie nicht mehr mit der CDU regiert - gewinnt sie wieder Wahlen.
     
  12. Behrenard

    Behrenard

    Beigetreten:
    26.06.10
    Beiträge:
    330
    Zustimmungen:
    0
    Ich meinte konkret Frau Dr. Merkel. "Schwarz" bezeichnet ihre Parteizugehörigkeit, und an die genannte Spinnenart erinnert es, wie sie (in Koalitionen, nicht im Privaten) mit ihren "Partnern" umgeht.
     
  13. simpsons3

    simpsons3 Gast

    Nicht im Privaten? Auch Fr. M. war schonmal geschieden, daher auch ihr Nachname.
     
  14. Naja, daraus nun schließen zu wollen, sie hätte ihren Partner erdrosselt, wie sie es mit Koalitionspartnern macht, finde ich etwas weit hergeholt.
     
  15. Nyxnox

    Nyxnox Gast

  16. Nyxnox

    Nyxnox Gast

    In der FDP gibt es einmal den kleinen intellektuellen sozialliberalen Flügel und auf der anderen Seite den großen ..äh.. weniger gebildeten wirtschaftsliberalen Flügel.

    Der sozialliberale Freiheitsbegriff meint gesellschaftliche Freiheiten der Bürger. Das sind Leute wie Leuthäuser-Schnarrenberger, Baum und Hirsch , die sich für Bürgerrechte einsetzen.

    Der wirtschaftsliberale Freiheitsbegriff meint dagegen, dass der Staat und damit die Gesellschaft der Wirtschaft nicht soviel reinreden sollte. Das ist im wesentlichen ein Lobbyverein der die Interessen der Wirtschaft gegen die Gesellschaft vertritt mit einem (Ex-)Parteivorsitzenden, der Aussenminister geworden ist, weil er sich davon internationale Kontakte und lukrative Beraterverträge verspricht.

    Der sozialliberale Flügel wird sich in den nächsten 10 Jahren eine andere Partei suchen und der Rest der FDP wird genauso wie die konservativen Parteien SPD und CDU im schon lange fälligen Grab verschwinden.
     
  17. Cadianer

    Cadianer Gast

    Wie schrieb schon Mao in seinem kleinen roten Buch?:

    Der Liberalismus hat verschiedene Erscheinungsformen:
    Wenn man genau weiß, daß jemand im Unrecht ist, und sich doch mit ihm nicht prinzipiell auseinandersetzt, sondern um des lieben Friedens und der Freundschaft willen darüber hinwegsieht, weil es sich um einen Bekannten, einen Landsmann, einen Schulkameraden, einen intimen Freund, einen, den man liebhat, einen alten Arbeitskollegen oder einen alten Untergebenen handelt, oder wenn man, um das gute Einvernehmen mit ihm zu wahren, die Frage nur flüchtig streift, ohne ihre gründliche Lösung anzustreben - und aus all dem ergibt sich dann ein: Schaden sowohl für das Kollektiv wie für den Einzelnen -, so ist das eine der Erscheinungsformen des Liberalismus.

    Andere hinter ihrem Rücken verantwortungslos kritisieren, statt sich mit positiven Vorschlägen an die Organisation zu wenden; jemandem seine Meinung nicht offen ins Gesicht sagen, sondern hinter seinem Rücken klatschen; statt in der Versammlung das Wort zu ergreifen, hinterher ins Blaue hinein schwatzen; keine Grundsätze des Gemeinschaftslebens achten und sich völlig frei gehen lassen - das ist eine zweite Erscheinungsform.

    Möglichst weit von sich weg schieben, was einen nicht selbst betrifft; am besten möglichst wenig sagen, selbst wenn man genau weiß, was falsch ist; um die eigene Haut besorgt sein, nur darauf achten, daß man nicht getadelt wird - das ist eine dritte Erscheinungsform.

    Weisungen nicht befolgen und die eigene Meinung allem voranstellen; an die Organisation nur Ansprüche stellen, von ihrer Disziplin aber nichts wissen wollen - das ist eine vierte Erscheinungsform.

    Anstatt eine falsche Auffassung zu bekämpfen oder sich mit ihr auseinanderzusetzen, um der Einheit oder um des Fortschritts willen oder um die Sache in Ordnung zu bringen, andere persönlich angreifen, einen Streit vom Zaun brechen, seinem Groll Luft machen oder Rache nehmen das ist eine fünfte Erscheinungsform.

    Wenn man unter den Massen weilt, aber keine Propaganda macht, nicht agitiert, nicht zu den Massen spricht, den Dingen nicht nachgeht, sich nach nichts erkundigt, sich um das Wohl und Wehe der Massen nicht kümmert und sich ihnen gegenüber gleichgültig verhält; wenn man vergißt, daß man ein Kommunist ist, und sich so verhält, als ob ein Kommunist dasselbe wäre wie ein x-beliebiger Bürger, so ist das eine siebente Erscheinungsform.

    Sich über eine Verletzung der Interessen der Massen nicht entrüsten, den Schuldigen nicht ermahnen, ihm nicht Einhalt gebieten und das Unrecht seiner Handlungsweise erklären, sondern ihn gewähren Lassen das ist eine achte Erscheinungsform.

    Die Arbeit nicht gewissenhaft leisten, sie ohne einen bestimmten Plan, eine bestimmte Orientierung verrichten, alles formell und oberflächlich erledigen und nach dem Spruch "Solange einer Mönch ist, läutet er die Glocke" in den Tag hinein leben das ist eine neunte Erscheinungsform.

    Sich für einen verdienstvollen Revolutionär halten und auf sein Veteranentum pochen; für wichtige Aufgaben nicht geeignet sein, weniger wichtige aber ablehnen; Gleichgültigkeit bei der Arbeit und Nachlässigkeit beim Studium zeigen - das ist eine zehnte Erscheinungsform.

    Einen Fehler, den man begangen hat, zwar erkennen, aber nicht daran denken, ihn zu korrigieren; eine liberale Haltung sich selbst gegenüber einnehmen - das ist eine elfte Erscheinungsform


    Und wehe jetzt fängt hier einer ne Diskussion über Mao Tse-Tung an...

    Ich habe mal alles fett markiert, was mir so im Zusammenhang mit der FDP (oder der Koalition aus CDU/CSU und FDP) ins Auge sticht
     

Seitenanfang